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Verhaltenstherapie

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Sprecher: Dr. rer. nat. Udo Kranich


INFORMATIONEN ZUR VERHALTENSTHERAPIE


Definition und Beschreibung

Verhaltenstherapie beruht auf der Anwendung psychologischen Wissens, vor allem von Erkenntnissen der Lerntheorie, auf die Behandlung psychisch Kranker. Sie betont, dass Verhalten sowohl erlernbar als auch verlernbar ist. Gleichzeitig geht die Verhaltenstherapie über die engen Grenzen der Lerntheorie hinaus, indem sie die funktionelle Einheit von Verhalten und Erleben (Kognitionen, Motive, Emotionen, sozialer Kontext) für die Verhaltensregulation in den Vordergrund der therapeutischen Bemühungen stellt. Situatives Erleben und subjektive Handlungsziele bestimmen zum einen das individuelle Verhalten und zum anderen verändern das Verhalten und seine Folgen das subjektive Erleben. Diese etwas vereinfachte Erklärung der Wechselbeziehung von Erleben und Verhalten beschreibt einen Lernprozess, der sowohl für die normale als auch die gestörte psychische Entwicklung gültig ist. In der Verhaltenstherapie werden auf der Grundlage von gezielten Verhaltensanalysen und Einbeziehung von Hypothesen darüber, welche Faktoren eine Störung aufrechterhalten, gezielte Behandlungsmaßnahmen zur positiven Veränderung des Zustandes des Patienten geplant. Diese Veränderungsmaßnahmen haben einen starken Übungscharakter, wobei die Mitarbeit und Eigenaktivität des Patienten in der aktiven Therapieplanung und Mitgestaltung der Therapiemaßnahmen gefordert ist. Jede Verhaltenstherapie, ob Langzeit- oder Kurzzeittherapie bzw. Einzel- oder Gruppenbehandlung, schließt die empirische Überprüfung des praktischen Vorgehens unter Einbeziehung theoretischer Erkenntnisse ein. Dies sichert zum einen die Bewertung des Therapieverlaufes als auch zum anderen die flexible Anpassung des Therapieplanes an die Bedürfnisse der Patienten.

Kurzer Rückblick

Die Anfänge der Verhaltenstherapie finden wir zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den experimentellen Arbeiten von Pawlow und Watson. Es ist insbesondere das Verdienst Watsons, diese Untersuchungen vom Tier auf den Menschen übertragen zu haben. Er beschäftigte sich z. B. mit Angstbeseitigung durch Gewöhnung, durch Gegenkonditionierung, Rekonditionierung und Imitation. In den vierziger Jahren erlangten die Arbeiten von Wolpe Bedeutung. Er beschäftigte sich mit Prozessen des Verlernens (reziproke Hemmung) und führte die systematische Desensibilisierung als Behandlungstechnik ein. Seit etwa 1960 beginnt mit der Einbeziehung des verdeckten Konditionierens und den Selbstkontrolltechniken die "kognitive Wende" in der Verhaltenstherapie, die z.B. mit den Leistungen von Bandura, Kanfer & Phillips, Meichenbaum, Lazarus, Mahoney, Beck und Ellis verknüpft ist.

Indikation zur Verhaltenstherapie

Die vielfältigen theoretisch gut begründeten Behandlungstechniken und die zahlreichen wissenschaftlich begleitenden Studien zur Verhaltenstherapie machen deutlich, dass jede psychische und psychosomatische Krankheit oder Störung durch diese Form der Psychotherapie geheilt oder zumindest wesentlich gebessert werden kann.

Weiterbildung zum Verhaltenstherapeuten

Voraussetzung für die Zulassung zur Ausbildung ist das abgeschlossene Diplom in Psychologie.

Die Ausbildung zum approbierten Psychologischen Psychotherapeuten der Fachrichtung Verhaltenstherapie erfolgt durch das Institut für Psychologische Therapie Leipzig, Fachbereich Verhaltenstherapie. Die Ausbildung untergliedert sich in theoretische Ausbildung (200 Stunden Grundlagenstudium, 400 Stunden fachspezifische Vertiefung), praktische Tätigkeit ("psychiatrisches Jahr") und praktische Ausbildung (ab 3. Semester, Fallbehandlung [mindestens 600 Behandlungsstunden unter Supervision]). Die Ausbildung umfasst ferner 120 Stunden Selbsterfahrung. Das Stundenvolumen aller Ausbildungsabschnitte ist durch die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeuten (PsychThG-APrV) geregelt.

Weitere Informationen siehe auch Studienordnung und Curriculum zur Ausbildung in Verhaltenstherapie.

Prof. Dr. K. U. Ettrich
Fachpsychologe der Medizin
Psychologischer Psychotherapeut

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