Neuropsychologische Psychotherapie

» Sprecher: Dr. DP Thomas Guthke

Klinische Neuropsychologie: Definition

Die neuropsychologische Diagnostik und Psychotherapie dient der Feststellung und Behandlung von hirnorganisch verursachten Störungen geistiger (kognitiver) Funktionen, des emotionalen Erlebens, des Verhaltens und der Krankheitsverarbeitung sowie der damit verbundenen Störungen psychosozialer Beziehungen. Ziel ist es, die aus einer Schädigung oder Erkrankung des Gehirns resultierenden und krankheitswertigen kognitiven, emotionalen und motivationalen Störungen sowie die daraus folgenden psychosozialen Beeinträchtigungen und Aktivitätseinschränkungen der Patientin oder des Patienten zu erkennen und zu heilen oder zu lindern. Dies erfolgt unter Berücksichtigung der individuellen physischen und psychischen Ressourcen, der biographischen Bezüge, der interpersonalen Beziehungen, der sozialen und beruflichen Anforderungen sowie der inneren Kontextfaktoren

Indikationen und Behandlungsformen

Neuropsychologische Diagnostik und Therapie erfolgt vor allem bei Störungen in den folgenden Hirnleistungsfunktionen:

  1. Lernen und Gedächtnis,
  2. Höhere Aufmerksamkeitsleistungen,
  3. Wahrnehmung, räumliche Leistungen,
  4. Denken, Planen und Handeln, Kommunikation
  5. Psychische Störungen bei organischen Störungen.

Als Behandlungsmaßnahmen kommen zur Anwendung:

  1. zur restitutiven Therapie: Maßnahmen mit dem Ziel einer neuronalen Reorganisation z.B. unspezifische und spezifische Stimulation, Beeinflussung inhibitorischer Prozesse, Aktivierung,
  2. zur kompensatorischen Therapie: Maßnahmen mit dem Ziel der Anpassung an kognitive Störungen und zum Erlernen von Ersatz- und Bewältigungsstrategien z.B. Erlernen neuer Verarbeitungsstrategien, Anpassung der eigenen Ansprüche und Erwartungen,
  3. zur integrativen Therapie: Maßnahmen mit dem Ziel der Verarbeitung und psychosozialen Anpassung und zur Reintegration in das soziale, schulische und berufliche Umfeld z.B. auf lerntheoretischen Grundlagen basierende Programme zum Verhaltensmanagement.

Verklammerte Aus- und Weiterbildung (Verhaltenstherapie und Neuropsychologie)

Im Jahr 2014 haben wir mit der verklammerten Aus- und Weiterbildung in Verhaltenstherapie und Klinischer Neuropsychologie begonnen. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt der Fachbereiche Verhaltenstherapie und Klinische Neuropsychologie. Hierbei werden entsprechend der gegenwärtig gültigen Regelungen (Ausbildungs- und Prüfungsverordnung, Weiterbildungscurriculum der GNP, WBO der OPK) individuelle Vereinbarungen getroffen, wie sich die Ausbildung in Verhaltenstherapie mit der Weiterbildung in Neuropsychologie verbinden lässt.

Interessenten sind vor allem KollegInnen, die nach dem Studium der Psychologie eine Berufstätigkeit in der Neurologie aufnehmen, aber auch KollegInnen mit begonnener bzw. abgeschlossener Ausbildung in Verhaltenstherapie bzw. Weiterbildung in Klinischer Neuropsychologie.

In einem individuellen Beratungsgespräch können wir Lösungen aufzeigen, inwieweit bisherige Tätigkeitszeiten und Qualifikationsinhalte angerechnet werden können und sich Synergien zwischen Aus- und Weiterbildung ergeben.

Interessenten können sich bei Frau Dr. Kriese melden, damit ein individuelles Beratungsgespräch vereinbart werden kann.

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Berufs- und sozialrechtliche Anerkennung

Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie erkannte in der Sitzung vom 31. Januar 2008 die Neuropsychologische Therapie als eine wissenschaftlich anerkannte Psychotherapiemethode bei der Diagnosegruppe F0 nach ICD-10 (Organische, einschließlich symptomatische psychische Störungen) an. Neuropsychologische Diagnostik und Therapie wird stationär/teilstationär in Krankenhäusern (neurologische und psychiatrische Abteilungen) und vor allem in neurologischen Rehabilitationseinrichtungen angeboten. Eine ambulante neuropsychologische Behandlung zu Lasten der GKV kann entsprechend des Beschlusses des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 24.11.2011 zur ambulanten neuropsychologischen Therapie erfolgen. Neuropsychologische Diagnostik und Therapie kann aber auch von anderen Kostenträgern (Berufsgenossenschaften, Unfallkassen, Privatversicherungen, Beihilfe, Haftpflichtversicherungen, Rehabilitationsträgern) übernommen werden.